Nicht jugendfrei (Pfälzischer Merkur)

Wildgewordenes Art Deco mit homosexuellem Thrill oder sachlich, brillant und handwerklich perfekt betriebene Körper- und Objekt-Fotografie? Man übersehe nicht die auf die Spitze getriebenen skulpturalen Manierismen in der Nachfolge der Neuen Sachlichkeit und der "straight photography" etwa eines Edward Weston - und den Aids-Mythos. Denn Robert Mapplethorpe, Kult-Fotograf der zur Zeit im Düsseldorfer NRW-Forum zu sehenden Werkschau, gehörte 1989, vergleichbar Keith Haring, zu den ersten Aids-Toten der amerikanischen Subkultur. Dass er zu Lebzeiten und noch lange danach in Amerika oftmals öffentlich geschmäht wurde, bleibt angesichts ganz anderer Abgründe der so genannten westlichen Zivilisation bemerkenswert.

Fotograf Helmut Newton äußerte einmal im Gespräch, dass er keinen "dreckigeren Begriff" kenne als "guter Geschmack". Aber auch dies muss nichts heißen. Die Werbe-, Mode- und Lifestyle-Fotografie hat die Bilderflut seit dem Tod des 1946 geborenen US-Fotografen Mapplethorpe ordentlich anwachsen lassen, Hemmschwellen heruntergesetzt und das moralische, nicht minder qualitative Sensorium nivelliert, ohne dabei nicht auch Hochrangiges zurück zu lassen. Jede Zeit schafft sich ihren Akzeptanz-Kodex.

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