Der traurige Rüssel (Berliner Zeitung)

Noch postum spaltete Mapplethorpe den amerikanischen Ausstellungsbetrieb, rief Skandale hervor und den Staatsanwalt auf den Plan. So schreibt sich sein Aidstod 1989 als scheinbar folgerichtiger Endpunkt in seine Vita ein, und der Totenkopf, neben dem Teufel zentrale Metapher in seiner Ikonographie, darf in einem seiner letzten Selbstporträts makaber triumphieren. Eben dieses Finale des œuvres, das den schwulen Sex zelebriert, markiert eine paradigmatische Existenz in der New Yorker Halbwelt der Achtziger.

Auch die jetzt in Düsseldorf eröffnete Mapplethorpe-Ausstellung mischt unter ihre 150 Arbeiten Bilder, deretwegen sie Besuchern unter 16 Jahren ohne Erwachsenen den Eintritt nicht gestatten will. So etwa ein berühmtes Selbstbildnis von 1978: Der grimmig schauende Künstler streckt dem Betrachter seinen aufgerissenen Anus entgegen, aus dem er eine Peitsche herauszieht. Mapplethorpe definierte S&M auf eigene Weise: Es sei nicht "sexy" für ihn, anderen etwas anzutun, "was sie nicht wollen. Die Menschen in meinen Bildern haben es getan, weil sie es wollen. Für mich bedeutet S&M Sex und Magie, nicht Sadomasochismus. Und es ging immer um Vertrauen."

Posted