NRW-Forum von A-Z: C wie "Corbijn"

Mit vielen Beispielen von A bis Z wollen wir jeden Freitag Projekte des NRW-Forums aus den vergangenen Jahren noch einmal aufblitzen lassen. Heute geht es mit dem Buchstaben "C" wie "Corbijn" weiter.

Vom  2.2. bis 22.4. 2001 haben wir die Werke des niederländischen Fotografen und Videoregisseurs Anton Corbijn ausgestellt. Dessen Schwarz-Weiss-Fotografien internationaler Stars gelten als Ikonen der Pop-Fotografie. Ende der 70er zog der heute 55jährige Corbijn nach London und arbeitete unter anderem für die Zeitschrift „Rolling Stone“. Seither hat er für die Gestaltung von Plattencovern und Videoclips mehrere Preise erhalten. In der Ausstellung waren großformatige und kontrastreiche Aufnahmen zu sehen: David Bowie, bis auf einen Schurz unbekleidet, schaut gedankenvoll am Betrachter vorbei, Lars von Trier schiebt nackt eine Schubkarre durch den Garten. Der Fotograf ist mittlerweile fast so berühmt wie die Leute, zu deren Prominenz er beigetragen hat, und deshalb ist seine Kunst selbstverständlich ein Gegenstand der Kunstkritik. Anlässlich unserer Ausstellung machten die meisten Besprechungen damals in Corbijns Fotos ein starkes Moment der Verweigerung aus. "Es geht nicht um Image, nicht um Gefälligkeiten", schrieb die FAZ. "Corbijn sucht die Brüchigkeit des Showgeschäfts, sucht die Narben in den Gesichtern (...), sucht die Anti-Pose. Niemandem wird geschmeichelt." Das Feuilleton des Berliner Tagesspiegel stellte fest, Corbijn betreibe "Image-Zertrümmerung". Und im Begleit-Essay des Ausstellungskataloges hielt Bernd Skupin fest: "So ist es auch richtig, dass Corbijn immer noch darauf besteht, ein Underground-Fotograf zu sein und nichts mit den Produzenten hermetischen Glamours gemein zu haben - zumindest, wenn man Underground nicht mit Erfolglosigkeit und Nichtbeachtung gleichsetzt, sondern als Synonym für die Subversität der Arbeitsweise nimmt. Denn die Verabredungen des Mediums Fotografie unterläuft er nach wie vor, und einer der Effekte seiner Subversivität ist, dass seine Fotos erstaunlich langsam altern."

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Foto: Tom Waits (c) Anton Corbijn

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